WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
ein Service der Verivox GmbH Datenschutzbestimmungen

Nutzen des Kohleausstiegs bersteigt Transformationskosten deutlich

Der Kohleausstieg ist klimapolitisch notwendig, energiewirtschaftlich sinnvoll sowie technisch und wirtschaftlich machbar. Die sukzessive Stilllegung der Kraftwerke nach festgelegter Reihenfolge ermglicht hchstes Ma an Steuerbarkeit und schafft den notwendigen Vorlauf fr regionale Strukturentwicklung. Wie der Kohleausstieg in seinen verschiedenen Facetten gelingen kann, fassen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Instituts fr Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), des Ecologic Instituts und des Wuppertal Instituts im neuen Kohlereader zusammen.

In den vergangenen Jahren wurden eine Flle von Studien, Forschungsergebnissen und Lsungsstrategien zum Kohleausstieg vorgelegt. Dieses Wissen wird nun mithilfe des Kohlereaders zugnglich gemacht, der von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des DIW Berlin, des Ecologic Instituts und des Wuppertal Instituts erstellt wurde. Der Reader informiert wissenschaftlich-neutral ber Fakten und Zusammenhnge und benennt das Fr und Wider von Handlungsoptionen.

Kohlekraftwerke sind fr knapp 40 Prozent des erzeugten Stromes und circa 80 Prozent der CO2-Emissionen des deutschen Stromsektors verantwortlich. Um die Ziele aus dem Klimaschutzplan der Bundesregierung aus 2016 einzuhalten, muss und kann eine deutliche Reduzierung der Kohleverstromung einen entscheidenden Beitrag leisten und es ist mittelfristig ein vollstndiger Kohleausstieg erforderlich, sagt Prof. Dr. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am DIW Berlin. Der Klimaschutzplan sieht fr die Energiewirtschaft bis zum Jahr 2030 eine Minderung der CO2-Emissionen von 60 bis 62 Prozent gegenber 1990 vor. Wenn man die vorliegenden Forschungsergebnisse zusammen betrachtet, dann ist ein Ausstieg aus der Kohleverstromung aber nicht nur klimapolitisch notwendig, sondern auch energiewirtschaftlich sinnvoll und technisch und wirtschaftlich machbar, ergnzt Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Vizeprsident des Wuppertal Instituts.

Neue wirtschaftliche Chancen

Der Kohlereader fasst neben relevanten klimapolitischen Aspekten auch die energie- und gesamtwirtschaftlichen Folgen eines Kohleausstiegs zusammen. Ein anderer zentraler Befund ist, dass der Nutzen eines Kohleausstiegs bei weitem die Kosten bersteigt auch, weil der Kohleausstieg neue wirtschaftliche Chancen erffnet, sagt Claudia Kemfert.

Durch einen Kohleausstieg in Deutschland wrden notwendige Investitionen in den Bereichen Nachfragemanagement, Speicher, Power-to-X-Anwendungen und Effizienztechnologien angereizt werden. Weiterhin knne eine Reduzierung der Kohleverstromung an einigen Stellen zu einer deutlichen Entlastung der Netzsituation fhren.

Aktuell sind noch rund 18.500 Personen direkt in den Braunkohlekraftwerken und -tagebauen beschftigt; weitere 4.000 bis 8.000 Menschen sind in den Steinkohlekraftwerken ttig. Am schwierigsten sind die Ausgangsbedingungen fr die eher strukturschwache und lndliche Lausitzer Braunkohleregion. Ein groer Teil des Beschftigungsrckgangs im Kohlesektor liee sich zwar durch einen regulren Renteneintritt auffangen. Aber auch, wenn der Ausstieg so gestaltet werden kann, dass er kaum negative Auswirkungen fr die derzeitige Generation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat, muss insbesondere fr folgende Generationen der Strukturwandel aktiv gestaltet werden. Investitionen in neue zukunftsfhige Arbeitspltze, aber auch die Verbesserung weicher Standortfaktoren sind notwendig, um attraktive Lebensbedingungen zu schaffen und den Menschen aussichtsreiche Perspektiven in den ehemaligen Kohleregionen zu bieten.

Systemintegration als Herausforderung

Die Studien- und Forschungslage zeigt, dass die fr einen Ausstieg aus der Kohleverstromung notwendigen Technologien heute vorhanden sind beziehungsweise deren Entwicklung so weit fortgeschritten ist, dass sie rechtzeitig zum Einsatz kommen knnen. Die Kosten fr Wind- und Solarstrom liegen heute in etwa gleich auf oder sogar unter denen aus neuen fossilen Kraftwerken. Auch die Verfgbarkeit von Energiespeichern stellt keinen Engpass fr den Kohleausstieg dar. Simulationsrechnungen zeigen, dass bis zu einem Anteil von bis zu 80 Prozent erneuerbarer Energien im Strom-Mix Flexibilisierungsoptionen, wie etwa die Sektorenkopplung, die stromgefhrte Kraft-Wrme-Kopplung, Wrmespeicher und das sogenannte Demand-Side-Management hinreichend sind, um den Anforderungen der Systemintegration gerecht zu werden und insgesamt auch kostengnstiger sind als saisonale Stromspeicher, erlutert Manfred Fischedick.

Schrittweise Stilllegung der Kohlekraftwerke nach festgelegter Reihenfolge gibt Planungssicherheit

Deutsche Kohlekraftwerke sind bereits heute vom europischen Emissionshandelssystem erfasst. Damit verteuert sich CO2-intensiver Strom. So sollen die Klimafolgekosten integriert und die Klimaschutzziele erreicht werden. Doch trotz der in den letzten Monaten deutlich gestiegenen Zertifikatspreise ist die Anreizwirkung fr eine gesicherte und kontinuierliche Reduktion vor allem der Braunkohleverstromung unzureichend, kommentiert Dr. Camilla Bausch, Wissenschaftliche Direktorin und CEO des Ecologic Instituts.

Der Reader stellt insofern fixe Stilllegungsdaten, die Festlegung jhrlicher Produktionsobergrenzen und preisbasierte Instrumente als mgliche zustzliche nationale Manahmen nebeneinander. Die Analyse zeigt, dass die Steuerbarkeit des Transformationsprozesses fr alle Akteure am hchsten ist, wenn Kohlekraftwerke nach einer festgelegten Reihenfolge stillgelegt werden. Dagegen sind bei preisbasierten Instrumenten, wie dem CO2-Mindestpreis, aber auch bei Stilllegung mit grozgigen bertragungsmglichkeiten zwischen Kraftwerken, die konkreten Auswirkungen vor Ort schwerer abzuschtzen. Das wrde die Mglichkeiten einschrnken, dies mit entsprechend zeitlichem Vorlauf zielgerichtet vorzubereiten. Bei der Auswahl des favorisierten Klimaschutzinstruments mssen Aspekte von Planungssicherheit und Flexibilitt bercksichtigt und abgewogen werden, ergnzt Camilla Bausch.

Weitere Nachrichten

Verivox Logo© 2018 Verivox GmbH - Alle Rechte vorbehalten. Verivox verwendet grtmgliche Sorgfalt auf Aktualitt, Vollstndigkeit und Richtigkeit der dargestellten Informationen, kann aber keine Gewhr fr diese oder die Leistungsfhigkeit der dargestellten Anbieter bernehmen. Bitte beachten Sie die AGB und Datenschutzbestimmungen von Verivox.
Cookie-Einstellungen ändern