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Erderwrmung doppelt so hoch wie vorhergesagt

Die neue Studie eines internationalen Forscherteams, unter anderen der University of New South Wales in Sydney, kommt anhand der Untersuchung vergangener Wrmeperioden zu dem Ergebnis, dass die Erderwrmung unter Umstnden doppelt so hoch sein wird, wie bisher vorhergesagt. Die Wissenschaftler kritisieren, dass in aktuellen Klimamodellen die Langzeitfolgen fr unseren Planeten nicht ausreichend betrachtet werden. Sofortiges Handeln ist unerllich, um tiefgreifende Vernderungen unserer Welt zu verhindern.

Die bisherigen Klimamodelle haben die Erderwrmung nicht korrekt vorhergesagt. Die Klimaerwrmung knnte laut einem Forscherteam aus siebzehn Lndern, darunter aus Australien, doppelt so hoch ausfallen, und der Anstieg des Meeresspiegels knnte sechs Meter oder sogar noch mehr betragen, selbst wenn das 2C-Ziel erreicht wird.

Die Erkenntnisse wurden vergangene Woche in Nature Geoscience verffentlicht und basieren auf Beobachtungen von drei Wrmeperioden in den vergangenen 3,5 Millionen Jahren. Zu der Zeit war es auf der Welt 0,5C - 2C wrmer, als whrend der prindustriellen Temperaturen des 19. Jahrhunderts. Die Forschungsergebnisse enthllen ausserdem, dass groe Teile der polaren Eiskappen kollabieren und signifikante Vernderungen des kosystems auftreten knnen: Die Sahara knnte pltzlich grn und die tropischen Regenwlder zu Savannen werden.

Beobachtungen der vergangenen Wrmeperioden legen nahe, dass es einige verstrkende Mechanismen gibt, die in den Klimamodellen nur unzureichend dargestellt werden. Diese Mechanismen erhhen die langfristige Klimaerwrmung mehr, als aktuelle Klimamodelle vorhersagen," so der leitende Autor Prof Hubertus Fischer von der Universitt Bern. Das legt nahe, dass die CO2-Billanz noch deutlich geringer sein muss, als bisher vorhergesagt. Es bedeutet auch, dass es nur einen geringen Spielraum fr Fehler geben kann, um die Pariser Ziele zu erreichen."

Um ihre Forschungsergebnisse zu gewinnen, verglichen die Wissenschaftler die drei am besten dokumentierten Wrmeperioden: das holozne Wrmemaximum (vor 5000-9000 Jahren), die letzte Zwischeneiszeit (vor 129000 - 116000 Jahren) und die mittlere pilozne Wrmeperiode (vor 3,3-3 Millionen Jahren). Die Erwrmung der ersten beiden Wrmeperioden ergab sich aus vorhersehbaren Vernderungen in der Erdumlaufbahn. Die mittlere pilozne Wrmeperiode entstand jedoch, da die atmosphrische Kohlenstoffdioxidkonzentration bei 340-450ppm lag - in etwa so wie heute.

Durch die Kombination einer Vielzahl von Messungen von Eiskernen, Sedimentschichten und Fossilberichten, durch die Datierung anhand von Atomisotopen und durch eine groe Bandbreite anderer bewhrter Paloklima-Methoden konnten die Wissenschaftler das Puzzle des Einflusses der Klimavernderungen zusammensetzen. Kombiniert betrachtet, geben die vergangenen Perioden einen nachweislichen Hinweis darauf, wie eine wrmere Erde aussehen wird, sobald sich das Klima wieder stabilisiert hat. Im Gegensatz dazu, erwrmt sich jedoch unser Planet heute sehr viel schneller, als in einer der vorherigen Perioden.

Schuld daran ist der vom Mensch verursachte CO2-Austo, der stetig zunimmt. Selbst wenn wir unsere Emissionen von heute an stoppen wrden, wrde es Jahrhunderte bis Jahrtausende bentigen, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Die Vernderungen, die die Erde unter den vergangenen Bedingungen erfahren hat, waren tiefgreifend die antarktische und die grnlndische Eisplatte haben sich substanziell zurckgezogen, und als Konsequenz ist der Meeresspiegel um mindestens sechs Meter angestiegen; Meeresplankton-Bereiche haben sich verlagert und damit ganze Marinekosysteme zur Neuordnung gezwungen; Die Sahara - wie auch die Tundra - wurde grner und ganze Wlder sind 200km in die Richtung der Pole gewandert; Hhenarten sind zurckgegangen, gemigte tropische Regenwlder wurden reduziert und in mediterranen Arealen hat die Feuer-berstehende Pflanzenwelt dominiert.

Selbst mit nur 2C Erwrmung und wahrscheinlich sogar mit nur 1,5C sind die signifikanten Einflsse auf das Erdsystem tiefgreifend," so Co-Autor Prof Alan Mix von der Oregon State University. Wir knnen davon ausgehen, dass der Anstieg des Meeresspiegels fr Jahrtausende unaufhaltsam wird. Das wirkt sich auf einen Groteil der Weltpopulation, die Infrastruktur und auf die wirtschaftliche Aktivitt aus."

Bis heute sind diese signifikanten beobachteten Vernderungen weitestgehend unterschtzt in Klimamodellvorhersagen, die sich nur mit der nahen Zukunft beschftigen. Verglichen mit den Beobachtungen der Vergangenheit, scheinen Klimamodelle die Langzeitauswirkungen der Erderwrmung und die Verstrkung der Wrme in den Polarregionen zu unterschtzen.

Klimamodelle sind zuverlssig, was die kleineren Vernderungen, wie beispielsweise fr geringe Emissionsszenarien, und ber einen kurzen Zeitraum, wie etwa in den nchsten Jahrzehnten bis 2100, angeht. Aber da die Vernderungen grer und hartnckiger werden, entweder wegen der steigenden Emissionen, wie beispielsweise im Business-as-usual-Szenario, oder weil wir daran glauben, mit etwas geringeren Emissionen die Welt retten zu knnen, werden die Klimavernderungen unterschtzt," so Co-Autor Prof Katrin Meissner, Direktorin am University of New South Wales Climate Change Research Centre.

Diese Forschungsergebnisse liefern einen wichtigen Aufruf zur sofortigen Handlung. Sie sagen uns, dass, wenn heutige Staatsoberhupter sich nicht um unsere Emissionen kmmern, die Erderwrmung tiefgreifende Vernderungen fr unseren Planeten und die Art und Weise, wie wir leben, bringen wird. Das gilt nicht nur fr dieses Jahrhundert, sondern weit darber hinaus."

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